Brazilian Jiu Jitsu (BJJ) wird weltweit immer beliebter – besonders bei Frauen. Immer mehr Schulen bieten Frauenklassen an, und die Teilnahme an Turnieren wächst stetig. BJJ kombiniert Selbstverteidigung, Fitness, mentale Stärke und Gemeinschaft in einem Sport.
Warum BJJ ideal für Frauen ist
BJJ basiert auf Technik und Hebelwirkung statt auf roher Kraft. Gerade kleinere oder leichtere Personen können lernen, größere Gegner zu kontrollieren oder zu neutralisieren. Das macht BJJ für Frauen besonders attraktiv, im Training wie in realen Selbstverteidigungssituationen.
Statt Schlägen und Tritten nutzt BJJ Positionen, Würgegriffe und Hebel, die auch dann funktionieren, wenn ein Angreifer körperlich überlegen ist oder die Distanz bereits gering ist. Du lernst, aus Griffen zu entkommen, dich am Boden zu verteidigen und Kontrolle zurückzugewinnen.
Die wichtigsten Vorteile von BJJ für Frauen
Körperliche Fitness
BJJ ist ein intensives Ganzkörper-Workout. Es verbessert:
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Kraft (besonders Core, Rücken, Beine)
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Ausdauer und Kondition
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Beweglichkeit und Koordination
Viele Frauen berichten von Gewichtsreduktion, mehr Energie und besserer Körperhaltung, ohne monotones Fitnessstudio.
Mentale Gesundheit & Stressabbau
Im Training bist du gezwungen, im Moment zu sein. Das wirkt wie aktive Meditation und hilft, Stress und Alltagsbelastung abzubauen. Gleichzeitig stärkst du:
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Frustrationstoleranz
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Durchhaltevermögen
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Problemlösefähigkeit unter Druck
Selbstvertrauen & Empowerment
Mit jeder gelernten Technik wächst dein Vertrauen in den eigenen Körper. Du erlebst ganz konkret, dass du Grenzen verschieben und Herausforderungen meistern kannst – das überträgt sich auf Beruf, Beziehungen und Alltag.
Gemeinschaft
BJJ-Gyms sind oft starke Communities. Du lernst Menschen aller Altersgruppen kennen, trainierst gemeinsam, unterstützt dich gegenseitig und findest häufig echte Freundschaften.
Einstieg: Was erwartet dich in der ersten Stunde?
Eine typische BJJ-Klasse läuft so ab:
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Kurzes Warm-up (z. B. Laufen, Mobilität, einfache Bewegungen auf der Matte)
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Technikteil: Der Coach zeigt 1–3 Techniken, ihr übt sie mit einem Partner
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Sparring („Rollen“): Kontrolliertes freies Kämpfen, anfangs oft optional oder sehr leicht
Am Anfang ist es völlig normal, sich überfordert zu fühlen. BJJ ist komplex und niemand steigt „gut“ ein. Entscheidend ist, dass die Atmosphäre respektvoll ist, du Fragen stellen kannst und niemand dich unter Druck setzt.
Was sollten Frauen zum BJJ anziehen?
Für ein Probetraining reicht:
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Eng anliegendes Sport-Top oder Rashguard
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Leggings oder kurze, stabile Sporthose
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Haare fest zusammengebunden
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Keine Ringe, Ketten oder Ohrringe, kurze Fingernägel
Langfristig unterscheidet man:
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Gi-BJJ: Training im Gi (Jacke, Hose, Gürtel); darunter Rashguard/Sport-BH
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No-Gi-BJJ: Rashguard + Spats oder Leggings, eventuell Shorts darüber
Wichtig: Kleidung sollte eng genug sein, um nicht zu verrutschen, und robust genug, um Griffen standzuhalten.
Frauenklassen vs. gemischte Klassen
Viele Schulen bieten:
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reine Frauenklassen
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gemischte (co-ed) Klassen
Frauenklassen eignen sich besonders für den Einstieg, weil:
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Hemmungen geringer sind
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Körpergrößen und Kraftlevel ähnlicher sind
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du dich oft schneller traust, Fragen zu stellen
Gemischte Klassen bieten langfristig mehr Vielfalt an Trainingspartnern und Stilen. Eine Kombination aus beidem ist für viele ideal: sicherer Start in Frauenklassen, später Ergänzung durch gemischte Einheiten.
Die richtige BJJ-Schule für Frauen finden
Achte bei der Wahl des Gyms auf:
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Atmosphäre: Respektvoll, freundlich, keine „Machokultur“
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Frauenanteil: Gibt es Frauen in verschiedenen Gürtelgraden? Gibt es Frauenklassen?
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Trainer:innen: Qualifikation, Erfahrung, guter Umgang mit Anfängerinnen
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Sauberkeit & Hygiene: Saubere Matten, Duschen, klare Regeln (z. B. barfuß auf der Matte)
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Kurszeiten: Realistisch in deinen Alltag integrierbar (mind. 2–3× pro Woche möglich)
Nutze Probestunden, um mehrere Schulen zu testen. Dein Bauchgefühl ist wichtig: Fühlst du dich sicher, respektiert und willkommen? Dann passt die Schule wahrscheinlich zu dir.
Häufige Anfängerfehler – und wie du sie vermeidest
Zu viel Kraft, zu wenig Technik
Viele Anfängerinnen verkrampfen und kämpfen „mit 120 %“. Versuche, bewusst ruhiger zu arbeiten, regelmäßig zu atmen und Techniken Schritt für Schritt umzusetzen.
Zu spät tappen
Ego hat im BJJ nichts verloren. Wenn ein Hebel sitzt oder ein Würgegriff eng wird: tapp früh. Das schützt vor Verletzungen und zeigt deinem Partner, dass er kontrolliert trainiert.
Unrealistische Erwartungen
Es ist normal, anfangs „ständig zu verlieren“. Sieh jede Runde als Lernmöglichkeit. Fortschritt misst sich eher daran, ob du dich sicherer fühlst, besser atmest, mehr verstehst. Nicht nur an „Gewinnen“.
Gürtel-System und Fortschritt
Das Erwachsenensystem besteht aus:
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Weiß
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Blau
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Lila
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Braun
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Schwarz
Zwischenstufen (z. B. Streifen) zeigen deinen Fortschritt. Der Weg vom Weiß- zum Schwarzgurt dauert meist 8–12 Jahre. Wichtig: Gürtel sind ein Nebenprodukt des Lernens. Wenn du regelmäßig trainierst, kommen Beförderungen von alleine.
Wettkampf: Muss das sein?
Nein. Viele Frauen trainieren ausschließlich aus Spaß, wegen Fitness oder Selbstverteidigung und nehmen nie an Wettkämpfen teil. Wenn du möchtest, kannst du aber an Turnieren teilnehmen. Dort wird nach Gürtelgrad, Gewichtsklassen und manchmal nach Alter eingeteilt.
Wettkämpfe können:
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Ziele setzen und motivieren
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Erfahrung unter Druck bringen
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dein technisches Niveau sichtbar machen
Sie sind ein Angebot, kein Muss.
Sicherheit, Verletzungsprävention & Regeneration
Um Verletzungen vorzubeugen:
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Nimm das Warm-up ernst
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Stärke Rumpf, Schultern und Knie auch außerhalb des Trainings
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Tappe rechtzeitig
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Trainiere mit Partnern, denen du vertraust
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Höre auf deinen Körper – Schmerzen sind ein Warnsignal
Achte außerdem auf ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung (genug Protein, komplexe Kohlenhydrate, gesunde Fette) und regelmäßiges Dehnen. Gerade Frauen sollten auf eine gute Versorgung mit Eisen, Kalzium und Vitamin D achten.
BJJ als Lebensstil
Wer länger dranbleibt, merkt schnell: BJJ ist mehr als Sport.
Viele Frauen berichten von:
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gesünderem Lebensstil
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mehr Struktur im Alltag
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besseren Stressstrategien
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neuen Freundschaften und Netzwerken
Du lernst, mit Rückschlägen umzugehen, dich langfristig zu engagieren und dich ständig weiterzuentwickeln. Körperlich und mental.